Samstag, 10. Juni 2017

Roberto de Mattei: "Rußland wird katholisch sein"

Professor Roberto de Mattei hat in Corrispondenza Romana einen Doppelartikel mit dem Titel "Rußland wird katholisch sein"  veröffentlicht, rorate caeli die englische Übersetzung.
Hier geht´s zum Original: klicken

    "DE MATTEIS DOPPELARTIKEL: "RUSSLAND WIRD KATHOLISCH SEIN"
"Rußland wird katholisch sein" so lautet die Inschrift auf dem Grab von Pater Gregorio Agostino Mario Suvalow auf dem Montparnasse-Friedhof in Paris. Der russische Barnabiten-Mönch hat sein Leben diesem Ziel geweiht (Antonio M. Gentile, "Barnabiten-Väter in Rom" 2012, 395-403)

Graf Grigorij Petrovic Suvalov wurde am 25. Oktober 1804 in St. Petersburg in eine alte adelige Familie geboren. Einer seiner Onkel. ein Armeegeneral, war damit beauftragt, den geschlagenen Napoleon auf die Insel Elba zu begleiten und ein anderer seiner Vorfahren hatte die Moskauer Universität gegründet. Er studierte von 1808 bis 1817 am Jesuiten-Kolleg in St. Petersburg, bis die Jesuiten aus Rußland ausgewiesen wurden und setzte seine Studien zuerst in der Schweiz dann in Pisa fort, wo er die Italienische Sprache erlernte.
Er wurde jedoch vom vorherrschenden Materialismus und Nihilismus der liberalen Kreise, die er damals besuchte, beeinflußt.
Im Alter von 20 Jahren wurde er von Zar Alexander I zum Offizier der Gardehusaren ernannt und heiratete 1824 Sofia Soltikov, eine zutiefst religiöse Frau, orthodox, aber "katholisch in Herz und Seele", die 1841 in Venedig sterben würde. Mit ihr sollte er zwei Kinder haben: Peter und Elena.

Sofias Tod brachte Suvalov dazu, Theologie zu studieren. Eines Tages begegnete er den "Confessiones" des Hl. Augustinus: sie waren eine Offenbarung für ihn: "Ich würde sie immer lesen, ganze Seiten abschreiben und lange Auszüge verfassen. Seine Philosophie erfüllte mich mit guten Sehnsüchten und Liebe. Welche Weitergabe von Zufriedenheit ich bei diesem großen Mann gefunden habe: Gefühle und Gedanken, die bis dahin in meiner Seele geschlafen hatten und durch diese Lektüre geweckt wurden."

Als er nach Paris zog, schloß sich Graf Suvalov einer Gruppe russischer Adeliger an, die zur Katholischen Kirche konvertiert waren- hauptsächlich Dank des Grafen Joseph Maistre (1753-1821), der von 1802 bis 1817 Botschafter des Königs von Sardinien in St. Petersburg gewesen war.
Zu diesen Adeligen gehörte auch Sophie Swetchine (1782-1857), Prinz Ivan Gagarin (1814-1882) und Prinz Theodore Galitzin (1805-1848). Der Letztere nahm die tiefe spirituelle Krise seines Freundes wahr und half ihm, die Wahrheit wiederzufinden, indem er ihm vorschlug, "Du Pape" von Joseph de Maistre zu lesen und zu meditieren.
Als er das Werk des Grafen las, verstand Suvalov, daß das Hauptmerkmal der Kirche  die Einheit ist und daß das eine oberste Autorität erforderte, die niemand anderes sein konnte als der Römische Pontifex.
"Herr Du sagst: Meine Kirche, nicht meine Kirchen. Andererseits muß die Kirche die Wahrheit bewahren; aber es gibt nur eine Wahrheit: deshalb kann die Kirche nur eine sein. (....) Als ich wußte, daß es nur eine wahre Kirche geben kann, habe ich verstanden, daß diese Kirche universal sein muß, das ist katholisch."

Suvalov ging jeden Abend zu Nôtre Dame, um den Predigten von Francis Saverio de Ravignan (1795-1858), einem gelehrten Jesuiten, der sein spiritueller Führer werden sollte, zuzuhören.
Am 6. Januar 1843, am Fest Epiphanias, schwor Suvalov dem Orthodoxen Glauben ab und bekannte in der Kapelle von Oiseaux den Katholischen Glauben.
Er suchte aber eine tiefere Bindung an den Katholischen Glauben. Von einem jungen italienischen Liberalen, Emilio Dandolo, dem er zufällig in einem Zug begegnete, wurde er Pater Alessandro Piantoni, Rektor des Longone-Kollegs der Baranbiten in Mailand vorgestellt, das ihn- unter dem Namen Agostino Maria 1856 zum Noviziat bei den Barnabiten in Monza aufnahm.

In dem von St. Anthonio Maria Zaccaria (1502-1539) gegründeten Orden fand er eine Atmosphäre tiefer Spiritualität vor. Er schrieb Pater Ravignan: "Es ist, als sei man im Himmel. Meine Väter sind alle Heilige, die Novizen alle Engel". Unter seinen jungen Mitbrüdern war Cesare Tondrini de´ Quarenghi (1839-1907), der mehr als irgendwer sonst sein spirituelles Erbe antreten sollte.
Am 19. September 1857 wurde Agostino Suvalov von Msgr. Angelo Ramazotti, dem künftigen Patriarchen von Venedig, in Mailand zum Priester geweiht.




Am Tag seiner Weihe-bei der Elevation des Kelches- flehte er zu Gott: "Mein Gott. mach mich würdig, mein Leben und mein Blut zusammen mit Deinem zur Glorifizierung der unbefleckten Seligen Jungfrau für die Bekehrung Rußlands zu geben."
Das war der Traum seines Lebens, den er der Unbefleckten anvertraute, und den Pius IX am 8. Dezember 1858 als Dogma verkündete.
Als er vom Papst in Audienz empfangen wurde, erzählte ihm Pater Suvalov von seiner Sehnsucht, sein Leben der Rückkehr der schismatischen Kirche zur Kirche Roms zu weihen. Bei dieser denkwürdigen Begegnung  "sprach Pius IX zu mir von Rußland mit dem Glauben, der Hoffnung und der Überzeugung mit den Worten Jesu als Unterstützung und brennender Liebe, die ihn bewegte, wenn er an seine zerstreuten Kinder denkt: die armen, bedürftigen Waisen.
Diese seine Worte haben mein Herz entflammt."

Pater Suvalov erklärte sich bereit, sein Leben der Bekehrung Rußlands zu opfern. "Also dann" sagte der Hl. Vater darauf "wiederhole diese Erklärung dreimal täglich vor dem Kruzifix; Du kannst sicher sein, daß Dein Wunsch realisiert werden wird,"

Paris war die Sphäre seines Apostolates und seiner Immolation: dort tat es sein Äußerstes und gewann unermüdlich zahllose Seelen und schuf die "Gebetsvereinigung für den Triumph der Seligen Unbefleckten Jungfrau bei der Bekehrung der Östlichen Schismatiker, insbesondere der Russen, zum Katholischen Glauben (die üblicherweise "Das Werk Pater Suvalovs genannt wird). Pius IX erkannte sie 1862 durch einen Brief an und Pater Cesare Tondini war ihr unermüdlicher Förderer.

Pater Suvalov jedoch starb am 2. April 1859. Er hatte gerade seine Autobiographie "Meine Konversion und meine Berufung" (Paris 1859) beendet. Das Buch wurde übersetzt und im 20. Jahrhundert neu gedruckt  und in einer neuen Italienischen Ausgabe von den Patres Enrico M. Sironu und Franco M. Ghilardotti herausgegeben ("Meine Konversion und meine Berufung" Grafiche Dehoniane, Bologna 2004) - diesem Buch haben wir unsere Zitate entnommen.
Pater Ghilardotti hat zusätzlich sein Bestes getan um Pater Suvalovs sterbliche Überreste nach Italien zurück zu bringen, die jetzt ihre Ruhe in der 1611 von den Barnabiten erbauten Kirche San Paolo Maggiore in Bologna gefunden haben.
Zu Füßen des Altars, geschmückt mit einer Kopie der Ikone der Allerheiligsten Trinität von Andrei Rublev, dem größten russischen Ikonenmaler, erwartet Pater Agostino Gregorio Maria Suvalov den Tag der Auferstehung.

In seiner Autobiographie schreibt der russische Barnabit: "Wenn Ketzerei droht, wenn  der Glaube sich verzehrt, wenn die Sitten verfallen und die Nationen am Rande des Abgrunds einschlafen, öffnet Gott, der alles an Zahl und Gewicht abmißt, die Schätze seiner Gnade und weckt sie wieder auf: jetzt scheucht er in irgendeinem obskuren Dorf einen verborgenen Heiligen auf, dessen wirkungsvolles Gebet seinen Arm zurückhält, der bereit ist, zu strafen; Jetzt läßt er ein wunderbares Licht auf dem Gesicht des Universums aufscheinen, einen Moses, einen Gregor VII, einen Bernhard; Jetzt inspiriert er zusammen mit einigen wunderbaren Ereignissen- vorübergehenden oder bleibenden-zum Gedanken einer Pilgerfahrt oder einer neuen Verehrung, neu vielleicht in der Form, aber inhaltlich immer alt, eine sowohl berührende als auch heilsbringende Hingabe-die unter tausend Widersprüchen in einem kleinen Kloster in der Stadt Paray-le-Monial entsteht.

Das ist -könnten wir hinzufügen- der Ursprung der Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens- um den die Hl. Jungfrau vor 100 Jahren in einer kleinen Stadt in Portugal, Fatima, bat.
In Fatima verkündete die Hl. Jungfrau die Verwirklichung des großen Ideals Paters Suvalov: die Bekehrung Rußlands zum Katholischen Glauben. Ein außerordentliches Ereignis, das in unsere Zukunft gehört und das die geheimnisvollen Worte der Schrift, die Pater Suvalov seiner eigenen Konversion zuschrieb, für die Welt neu formulierte: Surge qui dormis, surge a mortuis et iluminabit te Christus (Eph. 5, 14).

                                                         *    *    *    *    *

"Rußland wird katholisch sein". Der Traum vieler konvertierter Russen des 19. Jahrhunderts, wie Pater Suvalov und auch der Titel eines Buches zeigt, das zu seiner Zeit eine Sensation war: "Wird Rußland katholisch?" (Paris 1856) von Pater Ivan Gagarin, SJ.

Ivan Sergeevic Gagarin wurde am 20. Juli 1814 in Moskau geboren- in berühmter fürstlicher Abstammung, Nachfahren der Prinzen von Kiew. Er war ein Offizier der Russischen Delegation in München und dann in der Botschaft in Paris, wo er Teil der Französischen Intelligentsia wurde, die die "Salons" Sophie Swetchines besuchten,
Unter dem Einfluss und dem von Autoren wie Petr Jakovlevic Caadaev (1794-1856) reifte seine Konversion zum Katholizismus. Am 7. April 1842 schwor er der Orthodoxen Religion ab und nahm den Katholischen Glauben- unter der Betreuung von Pater Francesco Saverio de Ravignan (1795-1858)  an, der schon Graf Suvalovs Konversion begleitet hatte.
Ivan Gagarin verzichtete im Alter von 28 Jahren nicht nur auf eine brillante politische und diplomatische Karriere, sondern auch auf jede Hoffnung, in sein eigenes Land zurückzukehren.

Im zaristischen Rußland war die Konversion zum Katholizismus de facto einer Desertion oder Vatermord gleichgestellt. Die Aufgabe des Orthodoxen Glaubens zugunsten einer anderen Religion- auch einer Christlichen- wurde durch den Verlust des Besitzes, der Zivilrechte und Adelstitel sanktioniert und sah das Eingeschlossensein in einem Kloster oder Verbannung nach Sibirien vor.

Ein Jahr später bat Ivan, jetzt Jean Xavier Gagarin, um die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu und wurde zum Noviziat in St. Acheul angenommen. So begann er eine lange Zeit der Studien, die mit seiner Priesterweihe  und den Gelübden des Ordens des Hl. Ignatius von Loyola abschloss. Für Pater Gagarin, in dem sich ein brennender Eifer, eine scharfe Inetlligenz und eine aristokratische Erziehung vereinten, begann ein neues Leben.

Während des Krim-Krieges arbeitete er mit dem berühmten Mathematiker Augustin Cauchy (1789-1857) bei der Gründung der Werke "Schule des Orients" zusammen. Gegen Ende 1856 gründete er die Quartals-Zeitung "Studien der Theologie, Philsosophie und Geschichte"  die dann zur berühmten "Etudes" wurde.  Aber 1862 als ihre Veröffentlichung von den Französischen Jesuiten übernommen wurde, brachte das eine radikale Umformung mit sich. Während das I. Vaticanische Konzil eröffnet wurde, nahm "Etudes" im Gegensatz zu ihrer Römischen Schwester "La Civlitá Cattolica" eine proliberale Haltung ein, die sie während der folgenden Jahrzehnte beibehalten sollte.

Die Russische Regierung, die den Katholizismus in den westlichen Provinzen des Reiches auslöschen wollte, erachtete Prinz Gagarin als Feind, dessen man sich entledigen mußte. Er wurde beschuldigt, einen anonymen Brief an den Dichter Aleksandr Sergeevic Puskin (1799-1837) geschrieben zu haben, den er verärgert hatte, indem er zu einem Duell zwang, bei dem er starb. Kürzlich zeigte eine junge Polnische Historikerin , Wiktoria Sliwowska, daß das Ganze eine Schmutzkampagne war, die die Dritte Abteilung der Kanzlei Seiner Majestät organisiert hatte. (L´Affaire Gagarine. Institutum Historicum Societatis Iesu, Roma 2014, pp 31-72).

"Wird Rußland katholisch werden?" erschien 1856. In seinem Werk bezog sich Pater Gagarin auf die feierliche Bulle "Allatae sunt" die am 26. Juli 1755 von Benedikt XIV veröffentlicht wurde, mit der der Hl. Vater "den guten Willen bezeugt, die der Apostolische Stuhl gegenüber den Orientalischen Katholiken fühlt, ihren antiken Riten in Gänze zu folgen, die sich nicht von denen der Katholischen Religion oder deren Besitz unterscheiden. Die Kirche fordert die Schismatiker nicht auf, ihre Riten aufzugeben. wenn sie zur Einheit mit dem Katholizismus zurückkehren, aber daß sie der Ketzerei abschwören und sie verabscheuen. Der große Wunsch ist die Erhaltung nicht die Zerstörung der verschiedenenen Völker, die kurz gesagt, alle eher Katholisch sein möchten als Lateinisch zu werden."

Fortsetzung folgt.....

Quelle:  Roberto de Mattei, corrispondenza romana, rorate caeli,

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